Aktualisiert April 2026 7 Min. Lesezeit

Mieterselbstauskunft richtig ausfüllen

Die Selbstauskunft ist das Dokument, das praktisch jeder Hauptmieter und jede Vermieterin sehen will – und gleichzeitig das Dokument, in dem die meisten illegalen Fragen stehen. Hier erfährst du, welche Felder du beantworten musst, welche du darfst, und welche du einfach leer lässt.

Kurz gesagt

Lade die kostenlose Mieterbund-Vorlage, fülle nur die zulässigen Felder aus, schwärze alles, was den Vermieter nichts angeht, exportiere als PDF. 30 Minuten Aufwand, 0 €.

Aufwand ~30 Minuten einmalig, dann wiederverwendbar
Kosten 0 € kostenlose Mieterbund-Vorlage
Was du brauchst PDF-Reader Adobe Reader, Apple Vorschau, Foxit

Was ist die Selbstauskunft überhaupt?

Die Mieterselbstauskunft (auch „Mieterfragebogen“) ist ein einseitiges Formular, in dem du dem potenziellen Vermieter oder Hauptmieter Eckdaten zu deiner Person und deiner Zahlungsfähigkeit gibst. Sie ist kein gesetzlich vorgeschriebenes Dokument – aber in der Praxis erwartet sie fast jeder. Eine vollständig ausgefüllte Selbstauskunft signalisiert: du hast deine Sachen zusammen.

So gehst du vor

  1. Lade die kostenlose Mieterbund-Vorlage

    Der Deutsche Mieterbund stellt eine geprüfte Vorlage bereit, die nur die rechtlich zulässigen Felder enthält. Vermeide Vorlagen kommerzieller Anbieter, die häufig zu viel abfragen.

    Vorlage Mieterbund öffnen ↗ PDF, kostenlos, ohne Registrierung
  2. Fülle die Pflichtfelder ehrlich aus

    Vorname, Nachname, Geburtsdatum, aktuelle Adresse, Beruf, Arbeitgeber, monatliches Nettoeinkommen, Anzahl der einziehenden Personen, Haustiere. Diese Felder darfst du nicht leer lassen – sie haben einen direkten Bezug zur Mietfähigkeit.

  3. Lass unzulässige Felder leer

    Wenn die Vorlage Fragen zu Religion, Schwangerschaft, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Gewerkschaftszugehörigkeit oder Vorstrafen ohne Wohnungsbezug enthält: einfach durchstreichen oder leer lassen. Das ist dein gesetzliches Recht (AGG §§ 1, 19).

  4. Digital unterschreiben

    Apple Vorschau: Werkzeuge → Markieren → Unterschrift → Mit Trackpad/Kamera erfassen. Adobe Reader: Ausfüllen und unterschreiben → Selbst signieren. Niemals als JPG schicken, immer als PDF.

  5. EXIF-Daten und Metadaten löschen

    Bevor du das PDF verschickst, prüfe in den Eigenschaften, ob dein voller Name, Computer-ID oder andere Metadaten enthalten sind. In Apple Vorschau: Werkzeuge → Anmerkung → Datei reduzieren. In Adobe Reader gibt es eine Funktion „Versteckte Informationen entfernen“.

  6. Mit Wasserzeichen versenden

    Setze ein Wasserzeichen wie „Nur für WG-Bewerbung Reuterkiez 04/2026 – nicht weitergeben“ über die Seite. Online-Tools: pdfwatermark.com. Schützt dich vor Weitergabe an Dritte.

Was darf der Vermieter fragen?

Die folgenden Fragen sind nach geltender Rechtsprechung zulässig:

BereichZulässigUnzulässig
Person Name, Geburtsdatum, Familienstand Schwangerschaft, Kinderwunsch, Religion, Herkunft
Beruf Tätigkeit, Arbeitgeber, befristet/unbefristet Gewerkschaftszugehörigkeit, politische Betätigung
Einkommen Höhe netto, ggf. zusätzliche Einkünfte Genaue Quellen, Detail-Bankauszüge
Bonität Insolvenz der letzten 5 Jahre, eidesstattliche Versicherung Vorstrafen ohne Wohnungsbezug
Mitbewohner Anzahl Personen, Haustiere Rassen-spezifische Hundefragen, Beziehungsstatus
Vor­miet­verhältnis Kündigungsgrund Direktkontakt zum Vor­vermieter ohne deine Zustimmung

Felder, bei denen du flunkern darfst

Klingt verrückt, ist aber gefestigte Rechtsprechung: Bei Fragen, die der Vermieter nicht stellen darf, darfst du wahrheitswidrig antworten – die spätere Kündigung wegen falscher Angaben ist unwirksam (BGH-Entscheidungen mehrfach bestätigt). Beispiele:

Bei diesen Fragen darfst du eine falsche Antwort geben

Schwangerschaft, Familienplanung, Religion, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Gewerkschaftsmitgliedschaft, politische Aktivität.

In der Praxis ist es entspannter, das Feld einfach leer zu lassen oder durchzustreichen. Wenn der Vermieter nachfragt, freundlich auf das AGG verweisen.

Wenn der Hauptmieter eine eigene Vorlage schickt

Häufig schicken Hauptmieter ihre eigene Selbstauskunft mit Fragen, die offen das AGG verletzen („Welche Religion hast du?“, „Bist du schwanger?“). Du hast drei Optionen:

  1. Option 1: Felder leer lassen

    Einfach durchstreichen oder Strich in die Zeile setzen. In 80 % der Fälle wird das stillschweigend akzeptiert. Wer nachfragt, ist meist schon kein guter Mitbewohner.

  2. Option 2: Eigene Selbstauskunft beilegen

    Schicke deine eigene, korrekt ausgefüllte Mieterbund-Vorlage statt der gesendeten. Erkläre kurz: „Ich habe meine Selbstauskunft im Standard-Mieterbund-Format vorbereitet, das deckt alle rechtlich relevanten Punkte ab.“

  3. Option 3: Höfliche Korrektur

    Bei sehr problematischen Fragen kannst du höflich auf das AGG hinweisen: „Die Frage zur Schwangerschaft kann ich aus rechtlichen Gründen nicht beantworten. Ist das ein Problem für dich?“. Klärt schnell, ob die Person professionell ist.

Wann brauchst du die Selbstauskunft konkret?

  • WG-Bewerbung – fast immer im zweiten Schritt nach der ersten Kontaktnachricht.
  • Casting-Termin – nimm das Dokument ausgedruckt mit, plus Lohnabrechnungen.
  • Vor dem Mietvertrag – wird oft nochmal final aktualisiert.

Nicht im ersten Anschreiben

Schicke die Selbstauskunft nicht ungefragt mit der ersten WhatsApp-Nachricht. Das wirkt überfürsorglich und drängt. Warte auf das Signal des Hauptmieters: „Schick mir mal kurz deine Selbstauskunft.“

Häufige Fragen

Muss ich Lohnabrechnungen mitschicken?

Die Selbstauskunft fragt nach dem Einkommen, fordert aber keinen Beleg. In der Praxis schicken Bewerber Selbstauskunft + 3 Lohnabrechnungen zusammen. Mehr dazu im Einkommensnachweis-Guide.

Wie lange ist eine Selbstauskunft gültig?

Es gibt keine offizielle Frist. Faustregel: nach 6 Monaten aktualisieren, weil sich Beruf, Einkommen oder Wohnsituation geändert haben können.

Kann ich die Selbstauskunft auf Englisch ausfüllen?

Theoretisch ja, praktisch unklug. Die meisten Hauptmieter erwarten Deutsch. Nutze die Mieterbund-Vorlage auf Deutsch und füge bei Bedarf eine englische Übersetzung als zweite Seite an. WG-Lotse hilft beim deutschen Anschreiben.

Was, wenn ich Selbstständig bin?

Ergänze die Selbstauskunft um einen aktuellen Steuerbescheid oder eine BWA der letzten 6 Monate. Statt monatlichem Netto trägst du das durchschnittliche monatliche Einkommen ein. Hauptmieter sind oft skeptisch gegenüber Selbstständigen – ein BWA-Auszug oder eine Bürgschaft hilft enorm.

Was, wenn ich Student bin und kein Einkommen habe?

Trage „Student/in“ als Beruf ein. Im Einkommensfeld: BAföG-Bescheid, Stipendium oder Unterhaltszahlung der Eltern. Ergänze eine Bürgschaft der Eltern – das überzeugt fast jeden Hauptmieter.

Was du dir merken solltest

  • Mieterbund-Vorlage nutzen, nicht kommerzielle Vorlagen.
  • Pflichtfelder ehrlich, AGG-widrige Felder leer lassen oder durchstreichen.
  • Als PDF mit Wasserzeichen verschicken – nicht JPG, nicht ohne Schutz.
  • Erst auf konkrete Anfrage schicken, nicht ungefragt im Erstkontakt.
  • Nach 6 Monaten aktualisieren.

Die Selbstauskunft ist nur ein Baustein deiner Bewerbung. Lies auch unsere vollständige Unterlagen-Checkliste für die Reihenfolge und den Zusammenhang aller Dokumente.

Quellen

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