WG-Bewerbung: Welche Unterlagen brauchst du wirklich?
Du willst wissen, was bei der WG-Bewerbung wirklich verlangt werden darf, was nur Gewohnheit ist – und welche Dokumente du vorab vorbereiten solltest, damit du nicht in der Hektik einer guten Anzeige drei Tage verschwendest, um etwas zu besorgen, das du auch kostenlos in 30 Minuten bekommst.
Pflicht ist fast nichts. Realistisch erwartet wird: Mieterselbstauskunft, ein Einkommensnachweis (3 Lohnabrechnungen reichen), und – wenn du den Hauptmietvertrag mitunterschreibst – eine SCHUFA-Auskunft. Alles davon kannst du kostenlos bekommen, wenn du den richtigen Weg kennst.
Die Kurzversion: 4 Dokumente reichen
In 95 % der WG-Konstellationen kommst du mit diesen vier Unterlagen durch. Mehr ist meistens Selbstdarstellung, nicht Notwendigkeit.
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Mieterselbstauskunft
Ein einseitiges Formular mit deinen Eckdaten – Name, Geburtsdatum, Beruf, Einkommen, Anzahl Personen. Vermieter dürfen nur bestimmte Felder verlangen. Wer nach Religion oder Schwangerschaft fragt, bricht das AGG.
Selbstauskunft richtig ausfüllen → -
Einkommensnachweis
Drei aktuelle Lohnabrechnungen oder ein Steuerbescheid bei Selbstständigen. Studenten: BAföG-Bescheid, Stipendium oder Bürgschaft der Eltern.
Einkommensnachweis vorbereiten → -
SCHUFA-Datenkopie (kostenlos, Art. 15 DSGVO)
Nur Pflicht, wenn du selbst Hauptmieter wirst oder mit unterschreibst. Bei reinen Untermieten ist das eine Bitte, keine Forderung. Die kostenlose Datenkopie reicht in 95 % der Fälle.
SCHUFA-Datenkopie holen → -
Mietschuldenfreiheitsbescheinigung
Eine kurze Bestätigung deines vorherigen Vermieters, dass keine offenen Mieten bestehen. Du hast einen gesetzlichen Anspruch darauf, viele wissen das nicht.
Bescheinigung anfordern →
Pro-Tipp: Bereite alles vorab als PDF-Set in einer Cloud (z. B. iCloud Drive, Nextcloud) vor und nenne die Dateien 2026-Selbstauskunft-Müller.pdf, 2026-Lohn-Jan-Mär.pdf usw. Wenn ein Hauptmieter abends nach Unterlagen fragt, drückst du einen Knopf, statt drei Tage zu suchen. WGs gehen an die schnellsten Bewerbungen.
Was Vermieter verlangen dürfen – und was nicht
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und die DSGVO begrenzen, was im Bewerbungsprozess gefragt werden darf. Folgendes ist unzulässig:
Diese Fragen darf ein Vermieter nicht stellen
Religion, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Schwangerschaft, Familienplanung, Gewerkschaftszugehörigkeit, politische Meinung, Vorstrafen ohne Bezug zur Wohnsituation.
Wenn du das in einer Selbstauskunft siehst: Feld leer lassen. Wenn nachgefragt wird: höflich auf das AGG verweisen. Eine Absage darauf wäre rechtlich angreifbar.
Was Vermieter fragen dürfen
- Beruf, Arbeitgeber, Einkommen (Höhe, nicht Quelle bis ins Detail)
- Anzahl der einziehenden Personen + Haustiere
- Bonität / SCHUFA – nur bei konkreter Vertragsabsicht
- Insolvenzverfahren der letzten 5 Jahre
- Vorvermieter – aber kein Recht auf Kontaktaufnahme ohne deine Zustimmung
Reihenfolge: Wann brauchst du was?
Nicht alles muss am Tag 1 fertig sein. So planst du es realistisch:
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Tag 1 – Bewerbungs-Anschreiben
Allererste Kontaktnachricht braucht kein Dokument. Niemand schickt SCHUFA mit der ersten WhatsApp. Was zählt: ein gut geschriebenes Anschreiben auf Deutsch, das zeigt, dass du das Inserat gelesen hast.
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Tag 1–2 – Selbstauskunft + Einkommensnachweis vorbereiten
Beides hast du in 30 Minuten zusammen. Selbstauskunft als ausgefülltes PDF, Lohnabrechnungen einscannen.
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Sofort: SCHUFA-Datenkopie anfordern
Versand dauert 2–4 Wochen, also nicht warten, bis du sie brauchst. Anfordern, sobald du seriös auf WG-Suche gehst. Kostenlos via
meineschufa.de/de/datenkopie. -
Tag 7+ – Vor dem Einzug: Mietschuldenfreiheit
Brauchst du erst, wenn die WG-Zusage konkret wird oder ein Hauptmietvertrag in Sicht ist. Vorvermieter haben oft 2–4 Wochen Bearbeitungszeit. Plane das ein.
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Beim Einzug – Wohnungsgeberbestätigung
Pflicht für deine Anmeldung beim Bürgeramt innerhalb von 14 Tagen. Mehr dazu hier.
Häufige Fragen
Muss ich die SCHUFA immer mitschicken?
Nein. Bei einer Untermiete im klassischen WG-Sinn (Hauptmieter behält Vertrag, du wirst Untermieter) hat der Eigentümer keine Schnittstelle zu dir. Der Hauptmieter kann fragen, ist aber rechtlich nicht in einer Position, das zu fordern. Detail-Artikel zur SCHUFA-Frage.
Was, wenn ich neu in Deutschland bin und keine SCHUFA-Historie habe?
Sehr häufig. Die Datenkopie kommt fast leer zurück – das ist neutral, kein Negativsignal. Lege stattdessen Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen und ggf. eine Bürgschaft (Eltern oder Arbeitgeber) bei. Schreibe einen kurzen deutschen Satz dazu: „Ich bin neu in Deutschland, daher hat die SCHUFA noch keine Daten. Stattdessen schicke ich dir meinen Arbeitsvertrag und drei Gehaltsabrechnungen.“ Hauptmieter verstehen das.
Kann ich Dokumente schwärzen?
Ja, und du solltest das. Adressen vor 2 Jahren, genaue Geburtsdaten, Bankverbindungen – das alles geht den Hauptmieter nichts an. Nutze die markup-Funktion deines PDF-Programms (Adobe Acrobat Reader hat ein „Schwärzen“-Tool, kostenlos).
Sind Vorlagen aus dem Internet okay?
Ja, mit Einschränkung. Nutze nur Formulare von Mieterbund, Verbraucherzentrale oder Haus & Grund. Vermeide kostenpflichtige „Premium-Vorlagen“ von Plattformen, die deine Daten weiterverkaufen.
Wie lange darf der Hauptmieter meine Unterlagen aufbewahren?
Wenn du eine Absage bekommst: maximal bis zum Abschluss des Bewerbungsprozesses, dann müssen sie gelöscht werden (DSGVO Art. 17). Bei der Zusage: nur so lange, wie das Mietverhältnis besteht, plus eventuelle Aufbewahrungsfristen. Du darfst Löschung jederzeit verlangen.
So speicherst du deine Unterlagen sicher
WG-Bewerbungen verschickst du oft an Fremde. Eine kleine Hygieneliste:
Sichere Speicherung deiner Bewerbungs-Dokumente
- Speichere Originale in einer verschlüsselten Cloud (iCloud Drive, Proton Drive, Nextcloud) – nicht in offenen Mail-Anhängen.
- Verschicke nur PDFs mit Wasserzeichen wie „Nur für WG-Bewerbung Reuterkiez 04/2026“. Tools:
pdfwatermark.comoder Apple Vorschau. - Lösche eingefügte Foto-EXIF-Daten (GPS, Geräte-ID). Foto in Vorschau öffnen → Werkzeug → „Standortdaten entfernen“.
- Schwärze, was nicht ans WG-Anschreiben gehört (alte Adressen, Kontonummern, ältere Vertragsdaten).
- Bewahre eine Liste, an wen du wann welche Dokumente geschickt hast – falls du später Löschung verlangen willst.
Was du nie tun solltest
Schicke niemals Personalausweis-Vorder- und Rückseite zusammen, schon gar nicht ohne Wasserzeichen. Das ist eines der häufigsten Identitätsdiebstahl-Vektoren bei WG-Suche-Betrug. Wenn jemand das verlangt, ist das ein deutliches Warnsignal – siehe WG-Betrug erkennen.
Wenn die Anzeige sehr formell wirkt
Manche Inserate (besonders auf Kleinanzeigen) verlangen schon im ersten Kontakt SCHUFA, Personalausweis und drei Vermieterreferenzen. Das ist meist eines von zwei Dingen:
- Eine sehr defensive private Vermieterin, die schon einmal Probleme hatte.
- Ein Betrugsversuch, der Identitätsdaten sammeln will, bevor du die Wohnung gesehen hast.
Faustregel: Vor der Besichtigung schickst du nur Selbstauskunft + Einkommensnachweis (mit geschwärzten Bankdaten). SCHUFA und Personalausweis-Kopie kommen nach einem persönlichen Treffen oder Videocall. Diese Reihenfolge ist branchenüblich und wird von seriösen Vermietern akzeptiert.
Was du dir merken solltest
- Vier Dokumente reichen: Selbstauskunft, Einkommensnachweis, SCHUFA-Datenkopie (bei Bedarf), Mietschuldenfreiheit (bei Hauptmietvertrag).
- Kostenlos vorbereiten: SCHUFA via Art. 15 DSGVO, Mietschuldenfreiheit via gesetzlichem Anspruch, Selbstauskunft via Mieterbund-Vorlage.
- SCHUFA-Versand jetzt beantragen, nicht später – 2–4 Wochen Lieferzeit.
- Sensible Daten schwärzen, EXIF-Daten löschen, mit Wasserzeichen verschicken.
- Vor der Besichtigung niemals Personalausweis senden.
Mehr Praxis-Anleitungen findest du in unseren ausführlichen Einzel-Guides – jeder Artikel enthält die offiziellen Quellen, kostenlose Vorlagen und einen visuellen Schritt-für-Schritt-Ablauf: